Veröffentlicht am 20. Januar 2017

Interview mit Silvia Lückoff

Hundewelpe Ila, im Alter von 5 Wochen
Hundewelpe Ila, im Alter von 5 Wochen
WIB homecare bekommt mit Welpe Ila neues Teammitglied

Silvia Lückoff liebt ihre Arbeit als Therapeutin bei WIB homecare. Bald bekommen sie und ihre Hündin Emma tatkräftige Unterstützung von Ila, einem gerade erst 6 Wochen alten Welpen. Ein Gespräch über soziales Engagement, Hundetherapien und ihre Wirkung auf die Patienten.

Frau Lückoff, erzählen Sie uns bitte ein wenig von Ila, ihrer Jüngsten.
Ila ist ein schüchternes Mädchen und gerade erst sechs Wochen alt. Eine russische Rasse, Bolonka Zwetna, die noch gar nicht so bekannt ist. Das waren früher die Schoßhündchen der Zaren, mit sehr zurückhaltendem Wesen. Bei unseren Besuchen ist uns aufgefallen, dass sie eine sehr ruhige Persönlichkeit besitzt. Sie war von ihrem Wurf die Ruhigste und sehr menschenbezogen. Genau das, was ich für meine Arbeit brauche.

Sie sprechen gerade ihre Arbeit an. Wie kamen Sie auf den Gedanken Hunde zu „Therapeuten“ auszubilden?
Das geschah eher zufällig. Als ich mir Emma holte, wollte ich ihr eine sinnvolle Aufgabe geben und sie fordern. Bei meinen Recherchen im Netz stieß ich auf den Verein „Therapiehunde-Brandenburg“. Ich war selbst zwölf Jahre lang in einem Pflegeheim beschäftigt und wurde sofort neugierig. Nach der Kontaktaufnahme ging alles ganz schnell. Ich wurde angenommen und absolvierte dort 2014 die Prüfung zur Tiergestützten Therapeutin. Über den Verein lernte ich die WIB homecare kennen und bin hier mittlerweile fest angestellt.

Wie sieht eine Prüfung für Hundetherapie aus?
Zunächst sind mehrere Trainingsstunden im Verein zu absolvieren. Dort wird auch die Tauglichkeit der Hunde für solch schwere Tätigkeiten, wie die der Hundetherapie, geprüft. Es ist ebenfalls ein Assistenzbesuch von den Trainern des Vereins vorgesehen um die Fortschritte meiner Arbeit zu dokumentieren. Durch meine pädagogischen Ausbildung dort bin ich mittlerweile in der Lage, die Hunde selbstständig auszubilden.

Wie lange dauert Ilas Ausbildung und wie geht es nach bestandener Prüfung für sie weiter?
Wir haben uns grob zwei Jahre als Ziel gesetzt, zumal sie bei Prüfungsantritt mindestens 18 Monate alt sein muss. Bis dahin werden wir viel mit ihr trainieren und sie genau beobachten. Es ist außerdem wichtig,
dass sie so früh wie möglich an die Pflegestation mit schweren und mitunter lauten Geräten herangeführt wird. Sie wird bis zu zweimal die Woche mit Emma die Station besuchen und hoffentlich einen ganz natürlichen Umgang mit den Patienten entwickeln. Manche Patienten vertrauen sich lieber Emma an als uns. (lacht). Sie freuen sich auf jedes Wiedersehen mit Emma und schmieden schon Pläne, was sie als Nächstes mit ihr unternehmen könnten. Besonders, wenn die Tage im Frühjahr wieder wärmer werden. Natürlich erhoffen wir uns, dass Ila sich so viel wie möglich von Emma abgucken wird.

Eine sehr positive Resonanz für Emma, wie reagiert Emma selbst auf ihre Tätigkeit?
Für Emma ist es harte Arbeit. Sie ist bis zu fünf Stunden im Dienst und hat durch ihre unnachahmliche Sensibilität gelernt, sich den Patienten unmittelbar zu nähern oder ihnen Raum und mehr Zeit zu lassen, falls der Funke nicht sofort übergesprungen ist. Und sich selbst auch, denn Patienten artikulieren meist anders als gesunde Menschen, dementsprechend kann es für Emma irritierend sein. Da Hunde die Stimmung der Menschen in ganz besonderer Weise aufnehmen und sich anpassen, ist so ein Tag auch emotional sehr anstrengend für sie. Emma reagiert darauf sehr gut, aber dennoch bleibt es für sie wirklich Arbeit.

Gestern zum Beispiel: ein Patient schlief mit seiner Hand auf ihrer Schnauze ein und sie hielt es aus und bewegte sich nicht, bis der Patient wieder aufwachte. Das ist, besonders für einen Hund, eine ganz besondere Leistung.

Wird es für Ila in der Ausbildung oder auch später in ihrem Job Unterschiede zu Emma geben?
Jeder Hund ist anders und hat seinen eigenen Charakter. Die Frage wird sein: „Was wird mir von Ila angeboten? Ist sie so geduldig und entspannt wie Emma oder ist sie agiler und aktiver?“ In dem Fall würde es sich anbieten, ihr ein paar Tricks zur Erheiterung der Patienten beizubringen. Wir sind schon sehr gespannt. Das wird für uns alle eine Überraschung und wir wollen helfen, ihr den Einstieg so angenehm wie möglich zu gestalten.

Hört sich ganz so an, als sei sie bei WIB homecare bestens aufgehoben. Was gefällt Ihnen persönlich an Ihrer Arbeit auf der Station?
Es tut einfach gut, Menschen helfen zu können. Die Freude, die durch die Therapiehunde mit in die Station kommt und die Freude, die wir den Menschen mit unseren geliebten Hunden bereiten können, ist ganz besonders schön zu erleben. Ein Hund urteilt nicht. Es ist ihm egal, ob der Mensch krank oder gesund ist. Er wird immer einfach nur da sein und sich freuen, wenn ihn jemand lieb hat. Das ist auch für die Patienten ein besonderer Ansporn.

Möchten Sie einen dieser besonderen Momente mit uns teilen?
Wir hatten auf Station einen Patienten im wachkomatösem Zustand. Es war noch ganz am Anfang, vielleicht mein dritter Besuch mit Emma. Zunächst hatten wir wenig Hoffnung, dass eine Reaktion erfolgt, doch dann bewegte sich plötzlich die Hand des Patienten auf Emma zu und hielt sie auch ein wenig fest. Das werde ich nie vergessen.

Vielen Dank für das angenehme Gespräch.

 

Interview: Ender Öztüfek

Silvia Lückoff und Therapiehund Emma
Silvia Lückoff und Therapiehund Emma